Auch nach 25 Jahren im Geschäft und mit über 50 Millionen verkaufter Alben ist er noch mit der gleichen Leidenschaft bei der Sache, mit der er damals in „Terra Promessa“ sein gelobtes Land suchte. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung seines Greatest-Hits-Albums „e2“ (zehnfach mit Platin ausgezeichnet und 2007 die meistverkaufte CD in Italien) ist Eros mit seinem elften Album „Ali E Radici“ zurück. Ramazzotti produzierte das Album selbst (mit Claudio Guidetti), schrieb die Texte mit Adelio Cogliati und die Musik mit Guidetti.
Die elf Songs – sowie der exklusiv bei iTunes erhältliche Bonus-Track „Linda E Il Mare“ – haben den gleichen internationalen Klang, der seine Arbeit schon immer ausgezeichnet hat. Das Album „Ali E Radici“ bietet eine doppelte musikalische Färbung: das Duo Ramazzotti/Guidetti wird von den verzauberten elektronischen Sounds von Michele Canova Iorfida unterstützt, der sechs Stücke der CD mitproduziert hat. Verglichen mit vorangegangenen Werken, behandeln die Texte mit größerer Aufmerksamkeit, größerem Glauben und größerer Sorge soziale Themen wie die Unfähigkeit zur Kommunikation zwischen den Menschen oder die Gewalt gegen Mensch und Natur. Die Texte spiegeln in erster Linie Eros Ramazzottis Reise durch das Leben wieder, und in zweiter Line seine Entwicklung als Künstler.
Die erste Single „Parla Con Me“ ist wie ein Leuchtturm bei Nacht, der an einem Ozean der Kommunikationslosigkeit steht. „Ich wollte in einen Dialog mit der jüngeren Generation treten, die scheinbar ihre Orientierung verloren hat und in einer Welt, die keine Zukunft zu bieten scheint, immer unglücklicher wird“, erklärt Eros. „Es ist das gleiche Leitbild wie bei „Terra Promessa“, nur 25 Jahre später: Damals hatten wir Ideale, die wir erreichen wollten, während es heute schwierig ist, überhaupt ein Ideal zu finden, an das man glauben kann. Um nicht die besten Jahre deines Lebens zu verschwenden, musst du die Stärke finden, dich anderen zu öffnen, und deine Zweifel, Sorgen und Schmerzen auszudrücken. Denn ‚du tötest den Schmerz nicht, indem du dein Herz abstumpfen lässt’“.
Das Video zu „Parla Con Me“, das von Regisseur Mark Klasfeld in Los Angeles gedreht wurde, taucht den Zuschauer in die Realität der Kommunikation in der heutigen Gesellschaft ein. Es ist die Botschaft, die Vorteile von technischen Möglichkeiten zu nutzen, ohne sie aber zu missbrauchen oder sich ihnen unterzuordnen. „Die Welt bewegt sich zu schnell: Computer und Handys haben die Beziehungen der Menschen zueinander eingefroren. Die Technik entpuppt sich für meine Generation als eine Art Bumerang: sie hat uns große Freiheiten geschenkt, aber wir müssen lernen, damit umzugehen. Wir kapseln uns von der Welt ab, obwohl wir unsere Gefühle doch teilen sollten: Wir müssen einen Ausweg suchen und Leidenschaft, Gefühle und den Wunsch, wir selbst zu sein, wiederentdecken.“
Das Album „Ali E Radici“ endet mit einer ernsten und leicht verstörenden Trilogie von gesellschaftlich bedeutenden Songs. „Nessuno Escluso“ macht auf die zwingende Notwendigkeit aufmerksam, unser Gewissen zu prüfen. „Non Possiamo Chiudere Gli Occhi“ ist ein Kategorischer Imperativ, der besagt, dass es nicht länger möglich ist, vorzugeben, dass Grauen wie der Missbrauch von Kindern und Frauen oder die Zerstörung der Natur nicht existieren. „Come Gioielli“ schließlich ist eine Hymne der Hoffnung, in der Eros die wirklichen Werte anspricht, die wir brauchen, um unsere Zukunft zurückzuerobern: Schätze, die wir in unserem Herzen einschließen müssen, um sie „vor den Piraten in jeder Stadt zu schützen.“
„Was in der Welt passiert, das kann jeder sehen“, sagt Eros in Bezug auf den Song „Nessuno Escluso“, „und jeder von uns sollte sein eigenes Gewissen prüfen. Die Schuld kann nicht immer bei anderen liegen. Vielleicht haben wir alle schon einen oder zwei Fehler gemacht. Wir müssen dringend unsere Richtung ändern, ansonsten wird das Versagen der Menschlichkeit uns alle betreffen. Niemand wird verschont.“ Eine der Ursachen für den Verfall der menschlichen Seele ist die Gleichgültigkeit anderen gegenüber, besonders wenn man sich verhält wie der feige Don Abbondio aus Manzonis Roman „Die Verlobten“, während einem immer häufiger auftretenden Missbrauch von Macht vor allem die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft zum Opfer fallen. „Wir können uns ungezügelter Gewalt gegenüber nicht neutral verhalten. Die Situation ist ernst und die Lösung sehr kompliziert, aber wir können unsere Augen nicht davor verschließen. Für eine Reaktion ist es nie zu spät. Früher oder später werden unsere Gewissen sich wieder einschalten. Es ist ein ironischer und trauriger Gedanke, dass genau dieses Erwachen unserer Gewissen die wirklich beunruhigende Nachricht sein wird.“
In „Come Gioielli“ benutzt Eros einen typischen Märchenstil, um gesellschaftliche Probleme anzusprechen, wie schon früher in unvergessenen Songs wie „Favola“ oder „Piccola Pietra“. „Das Lächeln eines Kindes, der Kuss einer Mutter, eine brüderliche Geste, ein klarer Wassertropfen oder ein Stückchen Gold aus einer noch unvergifteten Erde... Das ist für mich der wertvolle Schmuck, der unter allen Umständen geschützt werden muss. Das ist unsere Garantie für eine bessere Zukunft. Das sind die Werte, auf denen wir eine mitfühlendere Welt aufbauen können.“
Die Entscheidung, die CD „Ali E Radici“ ohne Plastikverpackung herauszubringen, ist eine pragmatische Geste für eine bessere Zukunft. Das aufwendige Booklet enthält eine elegante und edle Sammlung von Photos, die die Texte der elf Songs mit poetischen und romantischen Bildern vereinen, die Bruce Weber in Florida aufgenommen hat. Das Genie zeitgenössischer Photographie hat durch seine Linse Eros intimste und persönlichste Seite dargestellt.
Unter Webers Bildern ist eine reizvolle Nahaufnahme von Eros mit einem goldenen Adler im Hintergrund, die das Thema des Titelsongs „Ali E Radici“ illustriert. „Ich habe das ganze Album nach diesem Song benannt, weil er meinem Seelenzustand am nächsten kommt, und ich glaube, dass es vielen Menschen genau so gehen wird. Der ewige Konflikt zwischen dem Verlangen nach Freiheit und dem Wunsch nach Stabilität und Sicherheit. ‚Ali E Radici’: Wenn du fliegen willst, musst du deine Wurzeln kennen.“
Pablo Neruda schrieb „Sie können alle Blumen abschneiden, aber nie werden sie den Frühling beherrschen.“ Das Stück „Il Cammino“ ermahnt uns, niemals vom richtigen Weg als Mensch abzukommen, ganz gleich auf welche Hindernisse wir auch treffen. „Hör niemals auf. Gib niemals auf. Gib niemals auf. Selbst wenn wir denken, dass wir nicht mehr weitermachen können, liegt der Weg schon vor uns. Wir können weitermachen... wir müssen weitermachen“. Und auf der Reise sollten wir alle Erfahrungen schätzen und uns Notizen machen. In „Appunti E Note“ steht die Suche eines Schriftstellers „nach dem noch ungeschriebenen Ende des Satzes als Symbol dafür, sich weiter verbessern zu wollen. Nur so ist es wirklich möglich, den unausweichlichen Niedergang so lange es geht aufzuschieben.“
Im Song „Affetti Personali“ feiert Eros die echte, enge Freundschaft („Ein Leben ohne Freunde ist undenkbar, genau wie ein Leben ohne Musik“). Die drei restlichen Songs stellen die Liebe in völlig unterschiedlichen Verkleidungen dar. Die strahlende Liebe in „L’orizzonte“: „Nach langer Zeit voller Wolken am Himmel klärt sich der Horizont und nährt die starke Hoffnung, dass diese Liebe die richtige ist.“ Die belebende und alles verzehrende Liebe in „Bucaneve“: „Eine Blume, die im Winter zum Leben erwacht und plötzlich im Herzen eines Mannes mittleren Alters blüht. Er hat in seinem Leben schon viele Erfahrungen gemacht und ist dadurch desillusioniert. Aber er möchte diese Unschuld seiner Seele wiederentdecken, um bestimmte Gefühle noch einmal bewusst zu erleben.“ Von gegenseitiger Gleichgültigkeit geprägte Liebe in „Controvento“: „eine Beziehung, die – von Missverständnissen und der Unfähigkeit zu kommunizieren begleitet – viel zu lange aufrechterhalten wurde. Eine Liebe, die mit jedem Tag ein wenig mehr stirbt, bis es zu dem bitteren und bösen Ende kommt, als einer von beiden geht. Einfach so. Ohne ein Wort.“
Das Album „Ali E Radici“ bietet zwei unterschiedliche musikalische Ausrichtungen: den lebendig klingenden Instrumentalstil in den Stücken, die Eros Ramazzotti mit Claudio Guidetti produziert hat, sowie den eher elektronischen Klang der Stücke von Michele Canova, der auch mit Tiziano Ferro, Jovanotti und Giusy Ferreri gearbeitet hat. Als Ganzes gesehen ist „Ali E Radici“ ein Album mit internationalem Klang, das eine große musikalische Bandbreite abdeckt: Von Streichern, die wie auf der Single „Parla Con Me“ sanft und mitfühlend oder aber wie in „Appunti E Note“ wild und explosionsartig klingen, zum reinen elektronischen Adrenalin in „Non Possiamo Chiudere Gli Occhi“. Von der Sechs-Oktaven-Ballade „Il Cammino“ über das feierliche R&B-Stück „Controvento“ und die Rock-Akzente auf „Bucaneve“ und „Ali E Radici“ zum Schlagzeugklang in „Affetti Personali“. Vom lebhaften Pop in „Nessuno Escluso“ über die klassischen Einflüsse in „Come Gioielli“ bis hin zu den Piano- und Streicharrangements auf „L’orizzonte“, die am Ende der Aufnahme von den Musikern des London Session Orchestra bejubelt wurden.
Die Streichersequenzen in den von Ramazzotti und Guidetti produzierten Songs wurden in den renommierten Abbey Road Studios in London aufgenommen. Das Arrangement stammt von Paul Buckmaster, der auch den Song „L’orizzonte“ mitproduzierte. Die Streicher auf den von Canova produzierten Tracks wurden von Davide Rossi gespielt und arrangiert, der in der Vergangenheit unter anderem mit Coldplay gearbeitet hat.
Neben den elf Songs auf der CD „Ali E Radici“ gibt es noch die Ballade „Linda E Il Mare“, die von Michele Canova mitproduziert wurde und exklusiv als iTunes-Download erhältlich ist. „Linda empfindet eine Art Hass-Liebe für das Meer, weil es sie an eine Liebesgeschichte erinnert, die dort begann und endete und die noch nicht ganz abgeschlossen ist. Jedes Mal, wenn sie ans Meer kommt, hofft sie, ihn zu sehen. Aber gleichzeitig hat sie Angst vor der Begegnung, weil sie so sehr gelitten hat und ihre Gefühle nicht einordnen kann.“